eggerschlatter eggerschlatter

Text von Marcel Bleuler

Erschienen in: Ausstellungskatalog Plattform09


Wer eggerschlatter zu ihrer Arbeit befragt, wird vorerst auf wenig konkrete Antworten treffen. Das Duo spricht von Wolken und Herden, vom unkontrollierten Einnehmen eines Raumes, von der Isoliertheit eines Fetischisten und von Tieren, die sich in existenzieller Not selber töten. Wer zum Kern ihrer Arbeit vordringen will, muss sich auf diese Bildsprache einlassen, denn für den Gesprächspartner werden weder abgeschlossene Meinungen noch bekannte künstlerische Strategien aufgekocht. Mit bestechender Aufrichtigkeit lassen sie an ihrem Prozess der Sinnfindung teilhaben. Diese Haltung zeichnet sich auch in ihrer Kunst ab: Am Performancetag im Zürcher Kunsthof bauten eggerschlatter eine Bühne, auf der ein Laienchor in Endlosschlaufe den Refrain des Schlagers Neuer Wind sang (2008). Zum Chor traten Musiker hinzu, zudem tauchten plötzlich in den Fenstern und auf den Terrassen der angrenzenden Gebäude Menschen auf, die Pappwolken in den Himmel hielten und schliesslich zog ein Schwarm Tauben, der im Kunsthof freigelassen wurde, im und über dem Innenhof seine Runden. In den 15 Minuten breitete sich Neuer Wind im ganzen Raum aus und dennoch wirkte die Performance nicht aufdringlich, sondern flüchtig und hypothetisch. Neuer Wind war ein kurzer Zusammenschluss, eine vorübergehende Erschliessung des gesamten Raums, und liess den Kern von eggerschlatters Arbeit aufblitzen: Das Ringen um die Möglichkeit, Abgrenzungen und Isolationen aufzulösen, seien diese räumlicher, gesellschaftlicher oder emotionaler Art.